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Agoraphobie

Tiefsitzende Ängste sind keine Schwäche und Sie müssen sie nicht alleine durchstehen. Der erste Schritt benötigt oft Mut, aber er lohnt sich. Wenn Sie bereit sind, Ihre Ängste zu verstehen und sich Unterstützung zu holen, finden wir gemeinsam einen Weg zu einem erfüllteren Leben.

Gut zu wissen

Die Agoraphobie ist die am weitesten verbreitete Form von Angsterkrankungen.

Etwa 5 % der Bevölkerung erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Agoraphobie.

Menschen, die an Agoraphobie leiden, haben Angst vor Situationen, in denen es für sie vermeintlich keine Fluchtmöglichkeit oder Hilfe gibt, falls etwas passieren sollte. Bei Betroffenen kann sich die Agoraphobie beispielswiese in großen Menschenmengen, auf öffentlichen Plätzen, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder allein reisen sowie Reisen mit weiter Entfernung von Zuhause zeigen.

Diese Situationen oder Orte werden häufig gemieden oder nur unter großer Qual ertragen.

Erkennen Sie sich wieder?
Die Symptome:

Mögliche Symptome einer Agoraphobie:

  • Schweißausbrüche

  • Übelkeit, Magendruck

  • Kopfschmerzen

  • Schwindelgefühl

  • erhöhter Puls

  • Atembeschwerden und Thoraxschmerzen

  • Hitzewallungen oder Kälteschauer

  • Gefühllosigkeit oder Kribbelgefühle

  • Beklemmungsgefühl und Missempfindungen

  • Psychische Symptome: Gefühl von Schwindel, Unsicherheit, Schwäche oder Benommenheit, Gefühl, die Objekte sind unwirklich (Derealisation) oder man selbst ist weit entfernt oder „nicht wirklich hier“ (Depersonalisation),                    Angst vor Kontrollverlust, verrückt zu werden oder „auszuflippen“, Angst zu sterben

  • Auftrete mit oder ohne Panikattacken

 

Eine Agoraphobie lässt sich meist nicht auf eine spezifische Ursache zurückführen – vielmehr spielt die Kombination mehrerer Faktoren aus Kindheit, Erziehung und Genen eine Rolle. Betroffene vermeiden bestimmte Orte oder Situationen und fördern damit das Aufrechterhalten der Agoraphobie.

 

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für das Entstehen einer Agoraphobie sind vielfältig.

Eine biologische und psychologische Vulnerabilität (erhöhte Anfälligkeit/Empfindsamkeit) kann ein Grund dafür sein, dass es zur Erkrankung kommt.

Schlüsselerlebnisse, bei denen die Betroffenen aus realen Gründen extreme Angstzustände erleben mussten, können ebenso zu der Entstehung einer Agoraphobie beitragen.

Es muss jedoch beachtet werden, dass dies nicht mit einer posttraumatischen Belastungsstörung oder der Entstehung panikartiger Symptome durch Faktoren wie Substanzmissbrauch, zu wenig Schlaf o.ä. verwechselt werden darf.

Insbesondere negative Lernprozesse (beispielsweise Trennungsangst in der Kindheit) und das Lernen am Modell (Eltern, Bezugspersonen) können zur Entwicklung einer erhöhten Angstsensitivität führen.

 

Es gibt Hinweise auf eine erbliche Komponente der Agoraphobie. Kinder, deren Eltern unter Agoraphobie leiden, haben ein erhöhtes Risiko, diese psychische Störung ebenfalls zu entwickeln.

Auch die Botenstoffe im Gehirn haben einen Einfluss auf die Entstehung. Mögliche Ursachen sind Fehlfunktionen des Systems, das Serotonin und Noradrenalin ausschüttet. Ob sich die Störung wirklich entwickelt, hängt jedoch auch maßgeblich von den psychosozialen Faktoren ab.

In vielen Fällen beginnt die Agoraphobie mit einer Panik-Attacke.

An einem ungefährlichen, öffentlichen Ort erleben die Betroffenen plötzlich starke Körper-Reaktionen wie Herzrasen oder Schwindel. Solche Beschwerden sind möglicherweise ursprünglich durch Kaffee-Genuss, Unterzuckerung oder andere Faktoren erzeugt beziehungsweise verstärkt.

Der eigentliche Auslöser für die Panik-Attacke ist, dass die Betroffenen die Symptome überbewerten und als Bedrohung erleben. Angst und körperliche Reaktionen schaukeln sich dann gegenseitig immer weiter hoch. Infolge dieses Erlebnisses meiden die Personen den Ort, an dem diese Symptome aufgetreten sind. Mit der Zeit dehnt sich die Angst auch auf andere Situationen und Plätze aus.

Es gibt eine Reihe von körperlichen Problemen, die manchmal starke Angstzustände auslösen. Dazu gehören beispielsweise Herzprobleme, Schilddrüsen- und Lungen-Erkrankungen oder Gleichgewichtsstörungen.

Eine ärztliche Abklärung der körperlichen Symptome sollte daher immer vorab einer Therapie durchgeführt werden.

 

Was können wir dagegen tun?

In der Verhaltenstherapie gibt es z.B. die kognitive Therapie, in der es um die Bearbeitung von ungünstigen Gedanken-mustern und einem Hinterfragen von automatisch auftretenden Gedanken geht. Die Bewertung und Interpretation von bestimmten Situationen und Reizen, die zur Aufrechterhaltung der jeweiligen Symptomatik beitragen, wird hierbei verändert.

Eine Konfrontationstherapie, in der eine direkte Konfrontation mit der angstbesetzten Situation erfolgt, ist meist besonders wirksam. Da bisher die Angst durch Vermeidungsverhalten reduziert wurde, ist es wichtig zu lernen, dass die Angst nach einer Weile von alleine absinkt, wenn man sich ihr stellt. So kann das gelernte Angstverhalten reduziert und ein günstigeres Bewältigungsverhalten erlernt werden.

So erlebt er am eigenen Leib, dass beispielsweise der schnellere Herzschlag keine lebensgefährliche Bedrohung ist und sich nach einer Weile von selbst wieder beruhigt. Der Patient macht die Erfahrung, dass die Angst vor der Angst schlimmer ist, als das Erlebnis an sich. Dieses Vorgehen wird mit viel Unterstützung und nach ausführlicher Vorbereitung durchgeführt (graduiert, „schrittweise“).

Die Schwere der psychischen Störung hängt nicht mit der Intensität oder Häufigkeit der Angst-Symptome zusammen, sondern damit, als wie gefährlich diese die Patienten einschätzen.

Daher sind die Überprüfung und gegebenenfalls Revidierung von Gedanken sowie die angemessene Interpretation von körperlichen Reaktionen sehr wichtige Therapie-Inhalte. Sie ermöglichen die entscheidenden Schritte, um die Angst vor der Angst zu überwinden.

Mit der Zeit wird es immer weniger Orte geben, an denen die Angst auftritt.

Die Wirksamkeit von Psychotherapie ist wissenschaftlich bestätigt.

Krankheitsverlauf & Prognose

Die Agoraphobie beginnt oft plötzlich mit einem ersten Angst-Anfall an einem öffentlichen Ort.

Nur in wenigen Fällen vergeht die psychische Störung von alleine.

Ohne Behandlung verläuft eine Agoraphobie meist chronisch. Je länger die psychische Störung besteht,

desto wahrscheinlicher kommen noch andere Probleme, wie Alkohol-Missbrauch oder depressive Symptome hinzu.

Eine Agoraphobie verläuft oft in Phasen. Die Verfassung der Betroffenen schwankt gegebenenfalls von Tag zu Tag.

Auch nach einer längeren beschwerdefreien Zeit treten die Angst-Symptome möglicherweise wieder auf.

Je früher die Patienten therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, desto besser ist in der Regel die Prognose.

Vor allem die Konfrontationstherapie hat schon vielen Menschen geholfen, ihre Agoraphobie zu überwinden und ihr

Leben wieder in den Griff zu bekommen. 

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